„Kostenloses Depot“ ist eine der meistgenutzten Werbeaussagen im Broker-Markt — und gleichzeitig eine der am häufigsten missverstandenen. Diese Seite ordnet ein, was in der Praxis wirklich kostenlos ist, wo typischerweise weiterhin Kosten entstehen und wie du das selbst nachprüfst, ohne dich auf Werbeversprechen zu verlassen.
So prüfst du ein „kostenloses“ Depot-Angebot
- Preis- und Leistungsverzeichnis öffnen: Jeder regulierte Anbieter muss ein aktuelles Preisverzeichnis veröffentlichen. Dort stehen alle Kostenpunkte im Detail, nicht nur die Werbeaussage.
- Bedingungen für kostenlose Depotführung prüfen: Häufig ist die kostenlose Führung an einen Mindestumsatz, ein Mindestalter oder eine bestimmte Kontoart gekoppelt.
- Ordergebühren getrennt betrachten: Depotführung und Ordergebühren sind zwei unterschiedliche Kostenblöcke. Ein kostenloses Depot kann trotzdem spürbare Ordergebühren haben.
- Sparplankonditionen konkret nachlesen: Prüfe, ob wirklich alle ETFs kostenlos besparbar sind oder nur eine begrenzte Auswahl — das steht meist in einer separaten ETF-Sparplan-Liste des Anbieters.
- Befristung der Aktion beachten: Notiere dir das Enddatum eines Angebots und prüfe rechtzeitig die dann gültigen Standardkonditionen.
Typische Kostenblöcke bei Depots im Überblick
- Depotführungsgebühr: bei den meisten Anbietern in Deutschland mittlerweile 0 €, teils an Bedingungen geknüpft.
- Ordergebühr: Fixbetrag, Prozentsatz oder eine Kombination — abhängig vom Anbieter und Handelsplatz.
- Sparplangebühr: reicht von 0 € bis zu einem Prozentsatz je Ausführung, häufig nur für eine Auswahl an ETFs kostenlos.
- Fremdkostenpauschale: kann bei außerbörslichem Handel über bestimmte Handelspartner zusätzlich anfallen.
- Verwahrentgelt: in der Vergangenheit bei sehr hohen Cash-Beständen auf dem Verrechnungskonto relevant, aktuell bei den meisten Anbietern nicht mehr üblich — im Preisverzeichnis prüfen.
- Depotübertrag/-schließung: meist kostenlos, in Einzelfällen können Gebühren für einzelne Positionen anfallen.
Warum 'kostenlos' allein kein ausreichendes Kriterium ist
Ein Angebot kann bei der Depotführung kostenlos sein und trotzdem insgesamt teurer, wenn Ordergebühren oder Sparplankosten hoch ausfallen. Für die Gesamtkostenbetrachtung zählt die Summe aller Gebühren über deine tatsächliche Nutzung — nicht nur das Werbeversprechen.
Nutze deshalb realistische eigene Annahmen (monatliche Sparrate, Anzahl Ausführungen pro Jahr, Anlagehorizont), um verschiedene Angebote objektiv zu vergleichen.
Rechenbeispiel: Was eine kleine Fremdkostenpauschale langfristig kostet
Eine Fremdkostenpauschale von nur 1 € pro Ausführung wirkt auf den ersten Blick vernachlässigbar. Bei monatlicher Ausführung über 15 Jahre summiert sich das nominal auf 180 € reine Gebühren.
Hättest du diesen 1 € stattdessen monatlich mit angelegt (Modellannahme: 6 % jährliche Rendite vor Kosten), wäre daraus über 15 Jahre rechnerisch ein Betrag von rund 292 € geworden. Der Unterschied zwischen der nominalen Gebührensumme (180 €) und dem entgangenen Anlageergebnis (292 €) zeigt: Kleine, unscheinbare Gebühren summieren sich über lange Laufzeiten stärker, als es der einzelne Betrag vermuten lässt. Reine Modellrechnung ohne Steuern oder Schwankungen, keine Prognose.
Wie stark wirkt sich eine vermeintlich kleine Ordergebühr über 15 oder 20 Jahre wirklich aus? Rechne es mit dem Sparplankosten-Rechner konkret durch.
Zum Sparplankosten-RechnerHäufige Fragen
Gibt es wirklich komplett kostenlose Depots?
Die reine Depotführung ist bei vielen deutschen Anbietern kostenlos oder an Bedingungen wie einen Mindestumsatz geknüpft. 'Kostenlos' bezieht sich aber fast immer nur auf die Depotführung selbst — Order- oder Sparplangebühren, Fremdkostenpauschalen oder Gebühren für bestimmte Handelsplätze können trotzdem anfallen.
Welche versteckten Kosten gibt es bei Depots?
Häufige Posten sind: Handelsplatzgebühren, Fremdkostenpauschalen bei außerbörslichem Handel, Kosten für Depotübertrag oder -schließung, Wechselkursaufschläge bei Fremdwährungen und ggf. Verwahrentgelte bei sehr hohen Cash-Beständen. Ein Blick ins aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis des Anbieters schafft Klarheit.
Lohnt sich ein gebührenfreier ETF-Sparplan trotzdem?
Ja, wenn der ETF zu deiner Strategie passt. Wichtig ist, nicht nur wegen einer kostenlosen Besparung einen ETF zu wählen, der eigentlich nicht zu deinem Anlageziel passt. Kosten sind ein Kriterium von mehreren — Streuung, Größe und Replikationsmethode des ETF spielen ebenfalls eine Rolle.
Wie erkenne ich, ob ein Angebot dauerhaft oder nur befristet kostenlos ist?
Achte im Preisverzeichnis auf Formulierungen wie 'Aktion befristet bis' oder 'im ersten Jahr'. Viele Rabatt-Aktionen laufen nach 6 bis 24 Monaten aus. Prüfe deshalb auch die regulären Konditionen nach Ablauf einer möglichen Aktion.
Seriöse Quellen zum Weiterlesen
- BaFin — Informationen für Anleger ↗
Unabhängige Aufsichtsbehörde mit Hintergrundinformationen zu Gebühren, Transparenzpflichten und Anlegerschutz.
- Finanzfluss — Depot-Vergleich mit aktuellen Konditionen ↗
Laufend aktualisierter Vergleich konkreter Anbieter-Konditionen, falls du bereits einen Favoriten prüfen willst.